Juli 14

Vegan für die Tiere: Ethische Gründe für eine pflanzliche Ernährung

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Viele Veganer haben sich aus ethischen Gründen für eine pflanzliche Ernährung entschieden. Sie wollen nicht, dass Tiere für ihre Lebensweise ausgebeutet und getötet werden. In diesem Beitrag erfährst du, wie „Nutztiere“ in Massentierhaltung leben, warum Milchprodukte genauso viel Leid erzeugen wie Fleisch und warum auch bio keine Lösung ist.

Eine schwarze, eine schwarz-weiße und eine braune Kuh mit Blick in Richtung Kamera auf einer Wiese. Aufschrift: "Ethische Gründe für die vegane Ernährung"

Ein Tierleben ist mehr Wert als ein paar Sekunden „Genuss“ für den Menschen.

Meine Überzeugung

Fleischverbrauch und Massentierhaltung

Österreich liegt unter den EU-Ländern mit dem größten Fleischverbrauch auf Platz 3 (hinter Luxemburg und Spanien) und weltweit auf Platz 15. Im Jahr 2019 wurden in Österreich 910.300 Tonnen Fleisch produziert. Das bedeutet, jeder Österreicher verbraucht durchschnittlich rund 93,8 kg Fleisch pro Jahr und rund 5,9 Tonnen in seinem ganzen Leben.

Pro Kopf sind das 1.287 Tiere. Zieht man Knochen und andere nicht zum Verzehr geeignete Teile ab, bleiben rund 65 kg Fleisch pro Kopf und Jahr übrig. Das sind rund fünf Portionen Fleisch pro Woche.

In Deutschland stammen bereits 98 Prozent des jährlich verzehrten Fleisches aus der Massentierhaltung. Dieses Fleisch wird sehr günstig verkauft, aber die Tiere zahlen einen enorm hohen Preis dafür. Nahezu alle 114 Millionen Hühner, 27 Millionen Schweine und 12 Millionen Rinder, die in Deutschland gehalten werden, führen in der Intensivtierhaltung ein kurzes Leben unter grausamen Bedingungen.

Milchindustrie: Kühe dicht an dicht im Stall mit den Köpfen zwischen Gitterstäben

Schweine

Ein Schwein hat in der Massentierhaltung nur 0,75 Quadratmeter Platz und steht mit bis zu 5000 Artgenossen in riesigen Ställen auf Betonspaltenboden ohne Einstreu. Schweine sind so intelligent wie Hunde, haben Neugier und Spieltrieb, können das aber nicht ausleben. Deshalb kratzen und beißen sich die Tiere aus Aggression gegenseitig. Um das zu unterbinden, feilt man den Tieren ohne Betäubung die Eckzähne ab.

Weil Bisse in den Schwanz zu Infektionen führen können, werden den Ferkeln kurz nach der Geburt die Schwänze abgeschnitten. Auch dafür müssen sie nicht betäubt werden. Die Muttersauen liegen in engen Gitterkäfigen, in denen sie sich nicht einmal umdrehen können, damit sie die Ferkel mit ihrem Gewicht nicht erdrücken. Mit Hormonspritzen werden die Säue dazu gezwungen, nahezu ihr Leben lang schwanger zu sein.

Massentierhaltung: Schweine in einem trostlosen Stall in kleinen vergitterten Einstellplätzen

In Großschlachthöfen werden täglich bis zu 20.000 Schweine „verarbeitet“. In Sekundenschnelle wird den betäubten Schweinen dabei die Schlagader durchtrennt. Das funktioniert nicht immer. Laut Schätzungen sind 50.000 Schweine pro Jahr noch lebendig, wenn ihnen im Dampfbrühtunnel Borsten und Haut verbrüht werden.

Tiere sind meine Freunde und ich esse meine Freunde nicht.

George bernard shaw

Hühner

In Geflügelfarmen werden bis zu 40.000 Hühner in einer Halle gehalten. 20 Hühner teilen sich dabei einen Quadratmeter Lebensraum.

Legehennen werden mit Spezialfutter und künstlichen Lichtrhythmen gezwungen, mehr als doppelt so viele Eier wie früher zu legen. Eine Henne legt so durchschnittlich 300 Eier im Jahr. Sobald ihre Produktivität nachlässt, werden Legehennen geschlachtet. Meistens ist das schon nach einem Jahr der Fall.

Massentierhaltung: Hühner in einer Geflügelfarm

Männliche Küken legen keine Eier und werden daher zu Millionen direkt nach der Geburt getötet. Den weiblichen Küken wird ohne Betäubung mit Infrarotlicht der Schnabel abgeflämmt – ihr wichtigstes und hochsensibles Tastorgan. Das geschieht, damit sich die Tiere nicht unter Stress und Aggressionen gegenseitig blutig picken.

Masthühner leben durchschnittlich fünf Wochen lang und werden so gezüchtet, dass sie fressen und fressen, ohne aufhören zu können. Dadurch nehmen sie drei Mal so schnell zu wie vor 50 Jahren. Das betrifft aber nur Muskel- und Fettgewebe. Das Skelett kann gar nicht so schnell wachsen. Irgendwann können sich die Hühner nicht mehr auf den Beinen halten und liegen in ihren Exkrementen. So entstehen Entzündungen und andere Infektionen, denen mit Antibiotika im Trinkwasser entgegengewirkt wird.

Pinterest-Grafik für den Artikel: "Vegan für die Tiere: Ethische Gründe für eine pflanzliche Ernährung"

Kühe und Rinder

Eine Kuh gibt nur Milch, wenn sie schwanger ist und ein Kalb bekommt. Um die Milchleistung zu maximieren, werden Kühe ihr ganzes Leben lang zwangsbefruchtet. Zum ersten Mal geschieht das im Alter von 18 Monaten. Nach neun Monaten bringt die Kuh ihr Kälbchen zur Welt. Nur in den letzten zwei Monaten vor der Geburt wird sie nicht gemolken.

Milchindustrie: Kühe liegend in einem Stall auf verdrecktem Boden mit etwas Stroh

Kurz nach der Geburt werden Mutterkuh und Kalb getrennt. Sie sind verzweifelt und rufen noch tage- oder sogar wochenlang nacheinander. Die Kuh wird direkt wieder zwangsbefruchtet und das Kalb verbringt die ersten Wochen seines Lebens in einer kleinen Einzelbox oder einem Kälberiglu. In den ersten Tagen bekommt es noch die sogenannte Kolostralmilch seiner Mutter – aus Tränkautomaten oder Eimern zum Nuckeln. Danach wird die Milch der Mutterkuh ausschließlich für den Menschen verwendet. Wir sind wohlgemerkt die einzige Spezies, die die Milch einer anderen Spezies konsumiert.

In den ersten zwei Lebenswochen dürfen Kälber ohne Betäubung enthornt werden. Da sie sehr wenig Platz haben, würden sie sich sonst mit den Hörnern gegenseitig verletzen.

Ich bin vegan, weil ich für das Leben bin. Für die Tiere, für die Menschen, für den Planeten.

Ariane Sommer

Männliche Kälber landen in der Mast und weiblichen Kälbern blüht dasselbe Schicksal wie ihren Müttern. Mit etwa fünf Jahren hat eine Milchkuh drei Schwangerschaften hinter sich und ist so ausgelaugt, dass ihre Milchleistung nachlässt. Somit ist sie unrentabel und wird geschlachtet. Eigentlich haben Kühe eine Lebenserwartung von 20 Jahren.

Milchindustrie: Schwarz-weißes Kalb alleine in einem Stall mit Gittern im Hintergrund

Eine österreichische Kuh gibt 18 Liter Milch am Tag. Für das Kalb würden aber nur acht Liter ausreichen. Pro Jahr gibt eine Kuh 6.600 Liter Milch. Zum Vergleich: Im Jahr 1946 waren es 1.348 Liter. Durch die enorme Milchproduktion haben viele Kühe entzündete Euter und Klauenentzündungen, weil andere Körperregionen als die Euter schlechter mit Blut versorgt werden.

2021 wurde die dauernde Anbindehaltung für Rinder abgeschafft. Das bedeutet, die Tiere sollten sich an 90 Tagen im Jahr frei bewegen können. Es gibt aber sehr viele Ausnahmeregelungen, die dafür sorgen, dass die Anbindehaltung immer noch häufig praktiziert wird.

In Deutschland werden fast alle Rinder vor der Schlachtung mit dem Bolzenschussgerät betäubt. Mindestens drei von 100 Tiere wachen aber wieder auf und es muss teilweise mehrmals nachgeschossen werden, bis die Betäubung wirkt. Dann werden die Rinder durch Bruststich oder Öffnen der Halsschlagader getötet.

Niemand ist perfekt – ich bin es sicherlich nicht – aber dieser Missbrauch passiert jeden Tag an so vielen Tieren weltweit. Deshalb habe ich mich für eine vegane Ernährung entschieden. 

Lewis hamilton, mehrfacher formel-1-weltmeister

Ist bio besser?

Der größte Unterschied zwischen konventioneller und biologischer Landwirtschaft ist, dass die Tiere in Bio-Landwirtschaft biologisches Futter bekommen und etwas bessere Haltungsbedingungen haben. Das ändert aber nichts daran, dass Tiere als Produzenten von Fleisch, Milch und Eiern gehalten, ausgebeutet und getötet werden. Auch ein Bio-Schwein will leben, auch eine Bio-Kuh will nicht von ihrem Kalb getrennt werden und auch ein Bio-Huhn will keine Legemaschine sein.

Milchindustrie: Kühe dicht an dicht im Stall mit den Köpfen zwischen Gitterstäben

Außerdem zeigt ein Blick in die Bio-Richtlinien, dass die Haltungsbedingungen teilweise nur minimal besser sind. Zum Beispiel haben Mastschweine laut österreichischer Tierhaltungsverordnung in konventioneller Landwirtschaft 1 m² Platz pro Tier und in Bio-Landwirtschaft 1,5 m². In konventioneller Landwirschaft dürfen 7 bis 9 Legehennen pro m² gehalten werden, in Bio-Landwirtschaft 6 bis 7.

Nur bei den Rindern fällt der Unterschied größer aus. Bio-Rinder müssen 10 m² Platz haben, konventionell gehaltene Rinder nur 3 m². In Österreich gibt es zusätzliche Labels und Gütesiegel, die höhere Ansprüche stellen als von der Gesetzeslage vorgesehen.

Dennoch kann mitnichten davon die Rede sein, dass Tiere aus biologischer Landwirtschaft „zumindest ein schönes Leben führen“. Und selbst wenn das so wäre, hätten wir Menschen noch lange nicht das Recht, sie zu töten. Das ist der Grundsatz hinter dem ethischen Argument für Veganismus und vor diesem Hintergrund macht bio oder konventionell keinen Unterschied.

Massentierhaltung: dicht an dicht gedrängte Küken

Quellen

Care Elite (2020): 46 Veganismus Zitate. Zugriff am 14. Juli 2021. Verfügbar unter https://www.careelite.de/vegan-zitate-vegetarisch-sprueche/

GEO: Massentierhaltung. Herzinfarkt auf dem Bauernhof. Zugriff am 14. Juli 2021. Verfügbar unter https://www.geo.de/natur/oekologie/3331-rtkl-massentierhaltung-herzinfarkt-auf-dem-bauernhof

Global 2000 (2021): Fleischkonsum in Österreich. Zugriff am 12. Juli 2021. Verfügbar unter https://www.global2000.at/fleischkonsum-oesterreich

Global 2000: Unterschiede konventionelle vs. biologische Nutztierhaltung. Zugriff am 14. Juli 2021. Verfügbar unter https://www.global2000.at/unterschiede-konventionelle-vs-biologische-nutztierhaltung

Statista (2020): Konsum von Fleisch in Österreich in den Jahren 2007 bis 2019. Zugriff am 12. Juli 2021. Verfügbar unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/287317/umfrage/fleischverzehr-in-oesterreich/

Vegane Gesellschaft Österreich (2015): Fleischatlas Österreich. Zugriff am 14. Juli 2021. Verfügbar unter https://www.vegan.at/inhalt/fleischatlas-oesterreich

Vegane Gesellschaft Österreich (2018): Kühe geben doch sowieso Milch. Zugriff am 14. Juli 2021. Verfügbar unter https://www.vegan.at/inhalt/kuhe-geben-doch-sowieso-milch

Bilder: Canva


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